Anerkennung chronischer Umweltkrankheiten

Seit mehr als einem Jahrzehnt, kämpfen Patientenorganisationen und Umweltmediziner verzweifelt um die Anerkennung der Umweltkrankheiten. Die Pointe ist, dass diese seit den 80er Jahren anerkannt sind. Aber das weis hier keiner. Die Umweltdebatte war damals noch nicht so weit und bis heute wurden die entsprechenden Definitionen und Festlegungen der WHO nicht zur Kenntnis genommen. Man hat stattdessen eine Phantomdebatte über eine sog. Psychothese akzeptiert, der entscheidende tödliche Fehler.

Die offizielle Anerkennung der häufigsten Umweltkrankheiten (auch der Berufskrankheiten durch Chemikalieneinfluss) wird so lange keine Chance haben, solange die wissenschaftlichen Grundlagen, die zum Teil bis zu einem Jahrhundert zurückreichen, ignoriert werden und vor allen Dingen das anerkannte Wissen, welches die juristische Forderung eines anerkannten Standes der wissenschaftlichen Erkenntnis erfüllt. Dazu zählen die Definitionen der Umwelterkrankungen. Unserem Altbundeskanzler Kohl folgend, wonach "entscheidend ist, was hinten herauskommt", sind es die Umweltkrankheiten, die Folge unserer Umweltbelastung sind und das, gemäß dem Sachverständigenbeirat für Umweltfragen, auch anerkanntermaßen.

Die IDC-10 Klassifikationen der WHO für diese Erkrankungen enthalten keine F-Klassifikationen. Mit anderen Worten, es sind anerkanntermaßen organische Erkrankungen, keine psychiatrischen oder sonstigen psychologischen Erkrankungen. Die Psychodebatte hätte also nie stattfinden dürfen. Die Erfinder der Psychodebatte haben sich zunutze gemacht, dass neurotoxische Stoffe auch die psychische Widerstandskraft schwächen. So etwas kann man als menschlich niederträchtig bezeichnen. Wer aber dies nicht als geschickte Täuschung, sondern als wissenschaftliches Problem behandelt, hat schon verloren.

Sowohl im Wissenschaftlichen wie Juristischen lässt sich keine Beweisführung oder Argumentation aufbauen, wenn man die Grundlagen nicht kennt. Genauso wenig, wie man bei einem Haus mit dem Dach anfängt. Aber genauso wird die Umweltdebatte seit Anfang der 90er Jahre geführt und deshalb hängt sie in der Sackgasse fest.

Man stellt die Sache vollends auf den Kopf, wenn man zu einem beliebigen Zeitpunkt einen Fortschritt in der Aufklärung der Ätiologie - wie es jetzt aktuell mit der Pall'schen Theorie geschieht - als den eigentlichen Erkenntnisdurchbruch feiert und glaubt, man könne sich dadurch die Auseinandersetzung mit denjenigen Kräften, die stets versuchen den Stand der Wissenschaft wieder zu systematisch revidieren, nicht wirklich führen zu müssen.

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